Wir suchen Paten für Katze Aruba

Manchmal sind wir einfach nur noch fassungslos, wenn wir zu einem Tiernotfall gerufen werden. So war es auch an einem Wochenende Anfang Februar, als man uns bat, in den fünften Stock eines Mietshauses nach Hannover zu kommen. Dort, so wurden wir unterrichtet, lebe seit etlichen Wochen eine Katze in einem Schuhschrank und die Besitzer würden das Tier so bald wie möglich loswerden wollen.

Als wir die Wohnung betraten, deutete die Tierhalterin auf einen Schrank und ließ uns mit den Worten „da hockt sie drin, ich helfe Ihnen ganz bestimmt nicht, die Katze zu fangen, denn mich hat sie schon gebissen“ alleine. Als wir die Schranktür behutsam öffneten, wurden wir von tiefem Grollen begrüßt. Aus den dunklen Tiefen eines Faches schaute uns eine vollkommen verängstigte Katze mit angelegten Ohren und panisch geweiteten Pupillen entgegen. Leise mit dem Tier sprechend und durch einen Schutzhandschuh gepolstert, fasste eine von uns in den Schrank, um die Katze heraus zu holen. Diese explodierte unter lautem Kampfgeschrei förmlich aus den Tiefen ihres Versteckes heraus und landete so in der vor den Schrank gehaltenen Transportbox. Kaum war das arme Tier wieder im Dunklen, hörte es auf zu schreien und zu fauchen. Seine Halterin teilte uns noch mit, dass sie mindestens die vierte Besitzerin der Katze gewesen und dass dieses Vieh ein wirklich hoffnungsloser Fall sei, den man niemandem zumuten könne. So verließen wir mit unserem zitternden Neuzugang das Mietshaus.

Schnell war klar, dass die von uns ursprünglich als Pflegeplatz vorgesehene Familie für diese verstörte Katze nicht geeignet sein würde. Was dieses arme Tier in seinem Leben schon alles durchgemacht haben musste, um in seiner Katzenseele so schwer traumatisiert worden zu sein, können wir nicht einmal erahnen. Auf alle Fälle fiel uns für die Katze nur eine ein: Unsere „Katzenflüstererin“ Monika Benz. Diese betreut seit vielen Jahren Katzen und hat das richtige Händchen für schwierige Fälle. Frau Benz sagte für unser getigertes Sorgenkind sofort ein ruhiges Plätzchen zu und so trat das Katzenmädchen unter der Aufsicht eines unserer Tierärzte noch am gleichen Abend die Reise von der niedersächsischen Landeshauptstadt in die mittelhessische Provinz an.

Die ersten Tage im Hause Benz blieb Aruba – so der Name des bisher namenlosen Tieres – unsichtbar und als gutes Zeichen auch unhörbar. Ihre Anwesenheit war nur durch die leeren Futternäpfe und das benutzte Katzenklo zu erahnen. Doch nach fünf Tagen wagte sie es schließlich, einen ersten Kontakt zu ihrem Pflegefrauchen aufzunehmen. Frau Benz erkannte schnell, dass das Katzenmädchen sehr gerne mit ihr schmusen würde. Allerdings fehlte ihr dafür noch das Vertrauen zum Menschen. Aruba suchte den Körperkontakt, rieb sich an den Beinen ihres Pflegefrauchens, doch wenn Monika Benz sie dann streicheln wollte, schlug und fauchte sie und zog sich gleich wieder zurück. „Wann und ob sich diese Kleine jemals zu einer selbstbewussten Katze entwickelt, die den Kontakt zu Menschen uneingeschränkt genießen kann, steht in den Sternen“, so die Katzenfachfrau.Doch nicht genug, dass ihre Vorbesitzer der hübschen Katze jegliches Menschenvertrauen ausgetrieben haben: Aruba wurde auch ansonsten nicht ordentlich versorgt, denn kaum war sie im Hause Benz eingezogen, setzte bei ihr eine Rolligkeit ein, die nicht nur Monika Benz und die anderen Katzen im Haus stresst, sondern die auch der armen Aruba mächtig zusetzt. Deshalb wird sie, sobald sie sich seelisch soweit stabilisiert hat, dass ihr ein Tierarztbesuch zugemutet werden kann, kastriert, geimpft und gechipt.

Das Netzwerk Mensch-Tier e.V. sucht nun auf diesem Wege Menschen, die Arubas langen Weg hin zu einem glücklichen Katzenleben finanziell unterstützen wollen. Wer der hübschen Katze helfen möchte, darf daher gerne eine Patenschaft für sie übernehmen und die Arbeit der Pflegestelle mit einem monatlichen Geldbetrag oder einer einmaligen Spende unterstützen. Selbstverständlich können derartige finanziellen Zuwendungen vom Paten steuerlich geltend gemacht werden. Wer Aruba helfen möchte, darf sich gerne mit uns in Verbindung setzen.

 

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Wie es mit Aruba weiterging

Raumvorbereitung

Ich habe für Notfälle diese Art ein Zimmer meiner Wohnung reserviert, bei dem ich die Tür schließen kann.

Dieser Raum bietet zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten in Form von Höhlen sowohl am Boden als auch in erhöhter Position. Wichtig für die Katze ist, dass ihr Rückzugsort nicht für Menschen einsehbar ist. Sehr beliebt sind eine Nische hinter dem Schreibtisch und der Raum hinter dem Sofa. Da ich dies weiß, habe ich beide Orte mit Decken ausgestattet, denn mitunter verharren die Tiere dort Tage bis Wochen.

Zur Verrichtung der Notdurft müssen mehrere Katzenklos zur Verfügung stehen. Die meisten Katzen ziehen offene Schalen vor, gerade ängstliche Katzen nehmen aber gerne das geschlossene Klo an, von dem ich die Klappe entfernt habe. Da es Vorlieben bei der Einstreu gibt und ich in den seltensten Fällen Informationen habe, biete ich immer mehrere Varianten an. Für die Eingewöhnung von Freigängerkatzen ist eine mit Erde gefüllte Schale sinnvoll. Wenn man nicht alle Zimmerpflanzen entfernen möchte, empfiehlt es sich, die Blumentöpfe gleichzeitig mit großen Steinen abzudecken um Verwechslungen zu vermeiden.

Wichtig ist, dass das Tier jederzeit Zugang zu frischem Wasser hat.

Trockenfutter steht bei mir immer. Ich kenne die Ansicht, dass man ein Tier schneller an sich gewöhnen würde, wenn das Futter mit dem Menschen verknüpft wird. Gerade scheue oder traumatisierte Tiere verweigern aber lieber die Nahrungsaufnahme als dass sie sich dem Menschen zeigen. Da es für den Stoffwechsel der Katzen sehr gefährlich ist, wenn sie mehrere Tage hungern, haben Neuzugänge jederzeit Zugang zu verschiedenen Sorten Trockenfutter. So kann ich Vorlieben herausfinden und kontrollieren, ob sich das Tier so sicher fühlt, dass es nachts seinen Rückzugsort verlässt. Sobald dies gewährleistet ist, stelle ich nachts auch Nassfutter. Anfangs habe ich den Fehler gemacht, die Futterschale in die Nähe des Rückzugsorts zu stellen, dadurch hat das Tier aber bemerkt, dass ich seinen Aufenthaltsort kenne und die Phase der Vertrauensbildung hat länger als notwendig gedauert. Seit ich das erkannt habe, steht das Futter an zwei neutralen Orten, davon einer in erhöhter Position, da einige Katzen sich sicherer fühlen, wenn sie bei der Nahrungsaufnahme die gesamte Umgebung im Blick haben.

Sowohl ins Trinkwasser als auch über das Futter gebe ich Rescue-Tropfen gegeben, ein Feliwayvernebler sorgt für Wohlfühlpheromone. Ansonsten versuche ich, Reize in Form von Lärm oder Spielzeug zu vermeiden.

Die Ankunft

Es ist bereits kurz nach Mitternacht, als die Tierschützer bei mir eintreffen, die Katze im Gepäck. Ich erfahre, dass sie sich die Fahrt über ruhig verhalten hat, allerdings hatte sie in der Transportbox keine Möglichkeit, ihre Notdurft zu verrichten, so dass sie eingekotet hatte und sich dadurch sehr unwohl fühlte. Ich gehe mit ihr in der Transportbox sofort in das vorbereitete Zimmer, schließe die Zimmertür und öffne die Box, gespannt, wie sie sich verhalten würde. Manche Tiere verharren einige Stunden in der Box, von Aruba habe ich aber nur für einen Sekundenbruchteil einen Schatten gesehen, der unter dem Schreibtisch verschwand. Ich hätte hinterher nicht sagen können, welche Farbe die Katze hat. Mit der Box verlasse ich den Raum und schließe die Tür. Aruba hat alles, was sie über die Nacht braucht.

Erste Annäherung

Die Nacht war ruhig, von Aruba war nichts zu hören. Am nächsten Morgen betrete ich das Zimmer, nicht ohne mich vorher anzukündigen. Das immer gleichbleibende Ritual werde ich beibehalten, bis die Katze einen sicheren Umgang mit mir hat, denn so hat sie die Möglichkeit, in Ruhe einen sicheren Platz aufzusuchen und nicht in Panik flüchten zu müssen. Von Aruba ist nichts zu sehen. Sie hat aber das bereitgestellte Futter angenommen und war auf dem Katzenklo. Mit leiser, ruhiger Stimme lobe ich sie, stelle neues Futter bereit, reinige die Katzentoiletten und verlasse den Raum. Mehrfach am Tag betrete ich den Raum, rede leise mit Aruba, setze mich kurz aufs Sofa, arbeite am Schreibtisch. Die beiden ersten Tage bekomme ich die Katze nicht zu Gesicht, ich nenne sie liebevoll „Phantomkatze“. Da ich sie hinter dem Schreibtisch vermute, bin ich an der Stelle besonders vorsichtig. Allerdings erweist sich diese Maßnahme am dritten Tag als überflüssig, denn aus der Katzenhöhle schaut eine kleine Nase, die sich sofort zurückzieht, als sie bemerkt, dass ich sie gesehen habe. Ich verhalte mich so, als würde mich die Katze in dem Raum kein bisschen interessieren. Bereits am Abend des dritten Tages kommt sie sehr vorsichtig und langsam aus der Höhle und ermöglicht mir so, mit ihr über Blickkontakt zu kommunizieren. Offensichtlich stuft sie mich als ungefährlich ein und sie wagt einen ersten Körperkontakt indem sie an meinen Bein entlang streicht. Schnell verschwindet sie wieder in der sicheren Höhle um meine Reaktion zu beobachten. Ich lobe sie mit Worten, bleibe aber ruhig stehen und bewege mich nicht auf sie zu. Dieser Vorgang wiederholt sich noch einige Male. Aruba ist sehr nervös und unsicher, was sich in einem heftigen Schlagen mit dem Schwanz, einem vorsichtig schleichenden Gang und permanentem Blickkontakt äußert. Aber sie ist auch mutig und sie will und sucht den Kontakt zu Menschen.

Bereits nach einer Woche kann ich ihr vorsichtig über den Rücken streicheln. Sie geht aber jedes Mal ein paar Schritte zurück und ist bereit anzugreifen, sollte ihr etwas Böses geschehen. Ich bin einige Male nicht schnell genug und bekomme Tatzenhiebe. Wichtig ist dabei ruhig zu bleiben und die Katze auf keinen Fall zu schimpfen oder gar zu schlagen, denn aus ihrer Sicht hat sie vollkommen Recht mit der Maßnahme. Mein Streichelverhalten war übergriffig und mehr, als sie zulassen wollte. Aber sie bemerkt rasch, dass ihr von mir keine Gefahr droht und die Kuschelsitzungen werden länger.

Es dauert eine weitere Woche bis sie sich auf meinen Schoß setzt und streicheln lässt.

Jetzt ist es an der Zeit, dass sie andere Menschen und die anderen Katzen kennen lernt. Ich lade meine Freundinnen, von denen ich weiß, dass sie sich Katzen gegenüber achtsam verhalten, ein. Wir sitzen in dem Zimmer, das Aruba als Rückzugsort dient und unterhalten uns. Aruba hat sich vorsichtshalber versteckt, sie ist aber zum Glück sehr neugierig und hält es daher nicht lange in ihrem Versteck aus. Vorsichtig kommt sie näher und schnuppert an den für sie fremden Personen. Meine Besucherinnen tun so als würde sie die Katze nicht bemerken und es dauert nicht lange bis Aruba sie durch Köpfchen geben und um die Beine streichen zum streicheln auffordert. Nach und nach lernt sie auf diese Weise auch Männer und Kinder kennen. Sie schlägt sich tapfer und wird immer mutiger. Für eine Vermittlung steht fest, dass sie familientauglich ist.

Inzwischen ist die Tür zum Büro nicht mehr verschlossen sondern angelehnt. Natürlich müssen meine neugierigen Samtpfoten alle erkunden, weshalb die Tür zu war und ich erlebe eine Überraschung. Aruba entpuppt sich als äußerst soziale Katze, die mit allen anderen gut klar kommt. Selbst meine beiden „Zicken“, die häufig Probleme mit anderen Katzen haben, scheinen einen Narren an ihr gefressen zu haben und besuchen sie oft. Fietje und Sandmann sind regelrecht verliebt, sie kuscheln mit ihr und lassen sich gerne von ihr putzen. Damit ist klar, dass sie nicht als Einzelkatze gehalten werden kann.

Obwohl die Tür jetzt immer offen steht und Aruba über die Katzenklappe mit den anderen in den Freigang könnte, geht sie lange nicht über die Türschwelle. Sie schaut in den Flur doch es dauert zwei Wochen bis sie sich hinaus wagt. Beim geringsten Geräusch zieht sie sich aber wieder in ihr sicheres Refugium zurück. Nach drei Wochen ist sie endlich so weit, dass sie nachts zu mir ins Bett kommt. Freigang wünscht sie noch immer nicht. Damit steht fest, dass sie mit Wohnungshaltung zufrieden ist, wenn die Wohnung entsprechend viel Abwechslung bietet.

Der letzte Test wartet noch auf Aruba. Mein Neffe kommt mit seinen beiden (katzenfreundlichen) Hunden vorbei. Aruba reagiert sehr gelassen. In Ordnung, die Hunde sind etwas größer aber sicher kann man auch mit ihnen schmusen. Damit ist klar, dass in ihrem neuen Zuhause auch gerne nette Hunde leben dürfen.

Aruba hat sich sehr schnell eingelebt. Sie ist trotz der schlechten Erfahrungen, die sie gemacht hat, menschbezogen und sozial. Sie kann in ein neues Zuhause umziehen zu netten Menschen und anderen Katzen. Freigang braucht sie keinen doch sie braucht Ansprache und möchte nicht lange alleine sein.

Veröffentlicht in AdopTIER

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