Sandmann (Kater)

Ilten im Juni 2013

Liebe Freunde des Netzwerkes Mensch-Tier,

liebe Mitglieder,

 

wie Sie wissen, setzt sich unser Verein nicht nur dafür ein, Tierhaltern durch Fortbil­dung und Aufklärung ein besseres Verständnis für ihre vierbeinigen und gefiederten Lebensgefährten zu verschaffen, sondern auch dafür, Tieren, die in Not geraten sind, zu helfen.

 

Seit unserer Gründung im Jahr 2009 haben wir viele heimatlos gewordene Vierbeiner und Vögel bei uns aufgenommen oder haben ihren Menschen geholfen, ein gutes, neues Zuhause für sie zu finden. Im Schnitt nimmt das Netzwerk Mensch-Tier wö­chentlich zwei Tiere in die Betreuung. Unsere Pflegeplätze und Vor-Ort-Betreuer kümmern sich um sie, bis die, die in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv sind, geeignete neue Besitzer für die Pfleglinge gefunden haben.

 

Es kommt immer wieder vor, dass sich nach der Aufnahme auf einem Pflegeplatz unseres Netzwerkes herausstellt, dass ein Tier nicht mehr vermittelbar ist. Dann bleibt es als Dauerpflegling bei uns und bekommt bis zu seinem Lebensende neben einer artgerechten Bleibe, gutem Futter, sorgfältiger Pflege und tierärztlicher Versor­gung natürlich auch viel Liebe geschenkt, damit es sich wohl fühlen kann. Diese Ar­beit ist nur durch sehr engagierte Pflegestellen zu leisten, deren ehrenamtlicher Ein­satz für unseren Verein von unschätzbarem Wert ist. Doch auch diejenigen unter Ihnen, die uns durch ihren Mitgliedsbeitrag finanziell unterstützen, tragen einen wich­tigen Teil dazu bei, dass das Netzwerk Mensch-Tier kontinuierlich  und kompetent angewandten Tierschutz praktizieren kann.

 

Im Jahr 2012 kam ein Abgabetier in die Betreuung unseres Vereines, von dem schnell klar wurde, dass es sich nicht leicht vermitteln lassen würde: Sandmann, ein reinrassiger, achtjähriger Maine Coon Kater. Von allerlei alters- und rassebedingten Zipperlein geplagt, gab es für die stattliche, grünäugige „Großkatze“ zwar immer wie­der Interessenten, die dann jedoch schnell einen Rückzieher machten, wenn sie er­fuhren,  dass das Tier nicht als 100prozentig gesund vermittelt werden konnte. So blieb Sandmann als Dauerpflegling beim Netzwerk Mensch-Tier. Auf seinem Pflege­platz arrangierte er sich mit den drei alteingesessenen Katern. Mit den Menschen und den vier Hunden hatte er sowieso keine Probleme, denn Sandmann ist ein von Grund auf freundliches Tier. Der Freigang, der dem Kater nun erstmals gewährt wurde, war für ihn jeden Tag erneut ein Abenteuer. Es gab so viel zu entdecken – mit Augen, Ohren, Haut und Nase und mit Sinnen, die nur Katzen zur Verfügung stehen und die uns Menschen wohl immer verborgen bleiben werden.

 

Zuerst blieb Sandmann nur auf dem Grundstück seines Pflegeplatzes und stromerte dort durch den Garten, die Scheune und die Ställe. Die beiden jüngeren Kater seiner Menschen begannen damit, dem ungeschickten Jäger Beute zuzutragen und es ge­hört auch heute noch zu Sandmanns größtem Glück, eine erlegte Maus geschenkt zu bekommen. Mit der Zeit dehnte der große Graue seinen Aktionsradius immer weiter aus, verließ das Grundstück und lernte in Windeseile alle katzenfreundlichen Nachbarn kennen, die er um Zusatzmahlzeiten anbetteln konnte.

Wenn das riesige 10-Kilo-Tier auf der Straße an eine fremde Katze geriet, eilten ihm gleich „seine“ Ka­ter zur Hilfe, denn Sandmann ist ein Pazifist, der trotz körperlicher Überlegenheit in einer Schlägerei immer den Kürzeren zieht.

 

Leider können die Katerfreunde nicht immer eingreifen. Besonders dann nicht, wenn es der arglose Sandmann mal wieder verpasst, rechtzeitig vor einem Hund davon zu laufen, der Katzen nicht leiden kann. Einem solchen Hund muss der Maine Coon Kater vermutlich vor einigen Tagen in seinem Heimatdorf über den Weg gelaufen sein. Eine Woche lang blieb er verschwunden und schließlich fanden ihn Menschen schwer verletzt unter einem Gebüsch. Bis auf die Knochen abgemagert, mit gebro­chenem Becken und mit einem riesigen Eiterabszess wurde Sandmann von seinen Pflegeeltern in die Notaufnahme der Tierärztlichen Hochschule Hannover gebracht. Dort begann man nun, um das Leben des großen Grauen zu kämpfen.

 

Schnell wurde klar, dass Sandmanns Behandlung das Vereinsvermögen, das sich der Vorstand des Netzwerkes in vier Jahren umsichtig und mühsam angespart hatte, komplett aufbrauchen würde. Von dem Geld, das dem Netzwerk zur Verfügung steht, werden notwendige veterinärmedizinische Eingriffe bei kranken Pflegetieren bezahlt, werden Kastrationszuschüsse für Mutterkatzen gewährt, um das Katzenelend einzu­dämmen und vieles mehr. Wir vom Vereinsvorstand sahen uns nun mit dem Di­lemma konfrontiert, alles für die Behandlung eines älteren, ohnehin nicht ganz ge­sunden Pflegekaters auszugeben und in die komplette finanzielle Handlungsunfähig­keit getrieben zu werden oder das Vereinsvermögen zu retten und so das Todesurteil über Sandmann auszusprechen. Nach zahllosen Gesprächen – sowohl vorstandsin­ternen als auch mit den behandelnden Tierärzten der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule – entschieden wir uns dafür, Sandmann eine Chance zu geben. Der gute Riese zeigt nämlich einen unglaublichen Kampfgeist und signalisiert sehr deutlich, dass er unbedingt weiter leben will.

 

Sicherlich kann man nun argumentieren, dass man für die stattliche Summe, die Sand­manns Behandlung verschlungen hat und in den kommenden Tagen noch verschlin­gen wird, vielen gesunden Tieren eine Chance auf ein besseres Leben ermöglichen könnte. Doch wir vom Netzwerk-Vorstand sind uns einig, dass es sowohl gegen unsere persönlichen Vorstellungen von Tierschutz-Ethik als auch gegen die in der Satzung des Vereines festgelegten Ziele verstoßen würde, wenn ein krankes Tier zum Tode verurteilt werden würde, weil es der Dauerpflegling eines kleinen Tierschutzvereines ist, der nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügt. Auch für den Kater Sandmann gilt: „Die ganze Welt ändert sich nicht, wenn ein Tier gerettet wird – aber für dieses eine Tier ändert sich die ganze Welt.“

Daher möchten wir Sie, die Mitglieder und Freunde des Netzwerkes Mensch-Tier e.V., heute bitten, uns eine Sonderspende zukommen zu lassen. Eine Sonder­spende, die sowohl für den großen Grauen die weitere Versorgung möglich macht als auch den Verein wieder in die Lage versetzt, sich zum Wohl von Mensch und Tier zu engagieren.

Veröffentlicht in AdopTIER

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