
Ein chaotisches und kräftezehrendes Jahr liegt hinter dem süditalienischen Tierschutzverein Progetto Randagi OdV und unserer Kontaktperson, der Tierschützerin Luigina Campanaro. Wir taten unser Bestes, um Progetto Randagi die Grundvoraussetzungen seriöser Vermittlungsarbeit in Deutschland zu erläutern: Angefangen mit der ungeschönten Vorstellung oftmals traumatisierter Tiere in Videos, Inseraten und Kurzsteckbriefen bis hin zur Notwendigkeit von Vorkontrollen bei den Adoptanten und deren anschließender Betreuung auch weit über den Zeitpunkt der Tiervermittlung hinaus gaben wir alles weiter, was auch wir im Netzwerk Mensch-Tier als selbstverständlich erachten, wenn es um die Suche nach einem geeigneten Zuhause für unsere Schützlinge geht. Ende 2025 war absehbar, dass der junge Verein Progetto Randagi OdV auch in Deutschland auf eigenen Beinen stehen kann. Die Organisation und ihr Vorsitzender Onorino Basanese haben in Deutschland viele Ehrenamtliche um sich geschart, die Vermittlungshunde inserieren, die Social Media-Kanäle des Vereins betreuen und Kontakte zu möglichen Adoptanten knüpfen.
Progetto Randagi OdV vermittelt hauptsächlich Hunde aus dem kommunalen Tierheim D´Addario Larino, gelegentlich aus der vereinsinternen Pflegestelle „Luiginas Garten“ und ganz selten auf der Straße ausgesetzte Familienhunde. Sind Interessenten gefunden, übernimmt Vereinsmitglied Luigina Campanaro, die sehr gut Deutsch spricht, die Betreuung der zukünftigen Hunde-Eltern, auch über den Zeitpunkt hinaus, an dem das zertifizierte Transportunternehmen Bernd4Dogz aus Oberbayern die Hunde von Süditalien nach Deutschland zu ihren neuen Familien bringt.
Was ist unsere Rolle bei Progetto Randagi OdV? Netzwerk Mensch-Tier e.V. steht auch 2026 weiterhin allen Adoptanten, die bezüglich ihres Hundes Fragen zum Verhalten, zu Krankheiten, zum Zusammenleben und vielem mehr haben, beratend zur Seite. Auch wenn sich jemand im Vorfeld informieren möchte, ob ein Hund aus Süditalien in den Alltag seiner Familie in Deutschland passen würde, nehmen wir uns Zeit, um abschätzen zu können, ob das Umfeld, das auf den Vierbeiner wartet, so beschaffen ist, dass Menschen und Hund dort glücklich und harmonisch zusammen leben könnten. Da wir ganz engen Kontakt zu Luigina Campanaro pflegen, ist es uns meist möglich, den Adoptanten auch geeignete Hunde vorzuschlagen, die ihnen dann detailliert von Luigina vorgestellt werden.
Ein wichtiger Pfeiler unserer Zusammenarbeit mit Progetto Randagi ist die Tätigkeit der Tierfreunde Ilten im Netzwerk Mensch-Tier e.V.: Die selbständig agierende Gruppe sammelt sowohl für den italienischen Verein selbst, der in Form von „Luiginas Garten“ eine kleine, vereinsinterne Auffangstation betreibt, als auch für das städtische Tierheim D´Addario Larino Sach-, Futter- und Medikamentespenden. Diese werden mit einer von den Tierfreunden Ilten beauftragten Spedition direkt nach Süditalien gebracht. Ebenfalls setzen die Tierfreunde Ilten Geldspenden ein, um Hunden aus Süditalien eine tierärztliche Behandlung – entweder in Italien oder in Deutschland – zu finanzieren.
Was wir nicht tun: Da wir ausschließlich beratend für Progetto Randagi zuständig sind und selbst keine Hunde aus dem Ausland nach Deutschland holen, stellen wir keine Pflegestellen für Rückläufertiere des selbständig vermittelnden, italienischen Vereins zur Verfügung. Auch sind wir nicht für Inhalt und Richtigkeit von Annoncen, Inseraten und Aufrufen, die im Namen von Progetto Randagi oder Luigina Campanaro getätigt werden, verantwortlich. Auch die Durchführung ordnungsgemäßer Vorkontrollen bei zukünftigen Adoptanten von Hunden aus Süditalien obliegt nicht unserem Zuständigkeitsbereich. Wir erwähnen dies deshalb, weil wir immer wieder in unsachlichen, emotionalen Hilferufen, die Sachverhalte aus dem Tierheim D´Addario Larino vollkommen falsch darstellen, erwähnt werden und weil Leute uns als Teil von Progetto Randagi OdV sehen.
Da Luigina Campanaro und die Mitarbeitenden des Tierheimes D´Addario Larino oft selbst vollkommen überrascht werden von Vorgaben, die Kommunalverwaltungen, Veterinärämter und andere, die mit den herrenlosen Hunden in Italien zu tun haben, plötzlich aus dem Hut zaubern, kann sich ein Sachverhalt, der heute noch gültig schien, morgen bereits als nichtig herausstellen. Während uns zum Beispiel im September 2025 noch mitgeteilt worden war, dass alle Hunde der Gemeinde Campomarino bis zum Jahresende vermittelt sein müssten, da sie sonst in eines der grausigen End-Canile in Italien transportiert werden würden, aus denen nur der Tod für das Tier einen Ausweg darstellt, kam im November plötzlich Entwarnung. Die Campomarino-Hunde dürfen nun doch bis Dezember 2026 im Tierheim D´Addario Larino bleiben, dafür werden die Hunde der Gemeinde Termoli in das Tierheim des Privatmanns Primiano Pontico in Larino verlegt, das laut Progetto Randagi baulich noch nicht in der Lage ist, diese Hunde aufzunehmen. Jeden Tag erreichen uns neue, sich teilweise widersprechende Meldungen aus Süditalien und die Aktiven von Progetto Randagi stehen diesen Vorgängen genau so hilflos gegenüber, wie wir.
Unsere Kooperation mit Progetto Randagi OdV 2026: Im Sinne des nachhaltigen Tierschutzes werden wir alles daransetzen, um weiterhin weibliche Straßenhunde durch Progetto Randagi OdV kastrieren zu lassen. Nur so kann das Problem ungewollter Tiere langfristig behoben werden. Doch auch im Individual-Tierschutz werden wir weiterhin helfen – die Tierfreunde Ilten mit ihren Spendenaktionen, der Mutterverein Netzwerk Mensch-Tier mit Beratungen und Hilfsprojekten für einzelne, besonders hilfsbedürftige Tiere, wie zum Beispiel aktuell für drei an Leishmaniose erkrankte Hunde, darunter die Hunde-Seniorin Melissa. Inserate werden zukünftig nur noch über Progetto Randagi selbst geschaltet. Wir verlinken jedoch auf deren Seiten in den sozialen Medien, ohne für die Richtigkeit der Angaben in den Steckbriefen zu garantieren.
Wir hoffen, dass auch 2026 wieder viele zufriedene deutsch-italienische Mensch-Hund-Teams zusammenfinden und hoffen weiterhin auf gute Kontakte mit Luigina Campanaro und Rino Basanese.